Faszien – was ist das?

Dank der sehr gehypten Faszienrolle sind Faszien plötzlich von großer Bedeutung und vor allem im Volksmund bekannt. Aber was genau sind diese Faszien? Wo kommen sie vor?

Auf die letztere Frage gibt es eine einfache Antwort: sie kommen in unserem Körper so ziemlich überall vor.


Anmerkung: aufgrund des relativ modernen Themas, ist es uns nicht gelungen an genügend lizenzfreie Bilder und Illustration zu gelangen, um dieses komplexe Thema zu veranschaulichen. Wir haben unten zwei super Bücher angeführt, wo man die Illustrationen finden kann.


Wenn vom menschlichen Bewegungssystem die Rede ist, spricht man meistens von Muskeln, Sehnen, Bändern, Knochen, Gelenken, und der Haut. Was ja auch der Wahrheit entspricht. Bisher (bis vor ca. zehn Jahren) wurden Faszien keineswegs erwähnt, sogar beim Sezieren eines Körpers entfernt und als unbedeutsames Gewebe festgestellt. Jedoch haben Mediziner schließlich entdeckt, dass diese dünne weiße Haut auf dem Muskel, die bisher immer weggeschnitten wurde, große Leistung bringt und für uns unentbehrlich ist.

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Bestandteile der Faszien:

Faszien bestehen hauptsächlich aus Protein und Wasser, dies hängt vor allem von der Funktion und der Körperstelle ab. Vereinfacht kann man folgende Bestandteile nennen:

  • Kollagene:
    • sind recht feste Fasern
    • werden auch Strukturproteine genannt
    • geben allen Wirbeltieren ihre Form
    • sind leicht dehnbar und dennoch sehr reißfest (höhere Zugfestigkeit als Stahl)
  • Elastin:
    • das zweite Strukturprotein
    • ist elastisch und dehnbar und kehrt in seine Ursprungsform zurück – wie ein Gummi
  • Bindegewebszellen/Fibroblasten:
    • produzieren die Faserproteine Kollagen und Elastin
    • scheiden Enzyme und Botenstoffe aus, mit denen die Fibroblasten untereinander, sowie mit anderen Zellen kommunizieren können
  • Matrix:
    • Bindegewebszellen und Fasern werden von Flüssigkeit umgeben
    • wichtig für die Versorgung der Bindegewebszellen und des zugehörigen Organs

Grapefruit-Prinzip:

Wie vorhin erwähnt, ist der ganze Körper samt aller Organe von Bindegewebe umhüllt. Thomas Myers hat einen guten Vergleich gefunden: eine Grapefruit. Schaut man sich diese genauer an, so erkennt man, dass das Fruchtfleisch von weißen Häuten umgeben ist, diese unterteilt sind und außen herum nochmal von einer festeren weißen Haut umhüllt sind, die an der Schale liegt. Würde man das Fruchtfleisch entfernen, könnte man anhand des Weißen die Struktur der Grapefruit erkennen. Dasselbe gilt für den menschlichen Körper mit Faszien. Nur anhand der Faszien könnte man den Körper rekonstruieren und erkennen wie die Person aussieht, was für das Skelett nicht gilt. Jedes Organ, jeder Muskel und sogar jede Muskelfaser wird von einer Faszie umzogen.

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Prinzip Segelschiff und Wirbelsäule:

Dieses Bild wird schon seit einiger Zeit von Medizinern verwendet. Ursprung dieses Modells ist das Prinzip des Segelschiffs, übertragen auf unsere Wirbelsäule. Das Segelmastprinzip sagt aus, dass der Mast keine Last trägt, sondern als stabiles Element dient. Die Seile sind mit ihm verspannt und geben ihm Stabilität. Das Gleiche gilt für unsere Wirbelsäule: die Bänder und Muskeln im Rücken sind gespannt und halten die Wirbelsäule aufrecht. Was außerdem den Körper aufrecht hält ist das Spannungsnetzwerk der Faszien.

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Das Tensegrity-Modell:

Diese Spannungsnetzwerke gibt es vor allem als Statikkonstruktionen in der Architektur. Genannt werden sie „Tensegrity-Modell“: „tension“ = Spannung; „integrity“ = Zusammenhalt. Die Zugspannung des Tensegrity-Modells macht Systeme sowohl stabil als auch dynamisch.

  • sie bestehen aus stabilen und elastischen Elementen
  • die stabilen Elemente sind nur durch elastische Elemente verbunden -> die Stabilen Elemente berühren sich nirgends
  • die elastischen Elemente erzeugen Spannung im ganzen System

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Faszienforscher gehen davon aus, dass der menschliche Körper genau nach diesem Prinzip funktioniert: die Muskel-Faszien-Ketten bilden gemeinsam mit den Knochen ein Spannungsnetzwerk. Kein Muskel arbeitet also bei Anspannung/Bewegung isoliert, sondern immer verbunden im faszialen Netz. Diese Ansicht geht über die klassische Betrachtungsweise der Anatomie hinaus.

Die Faszienzugbahnen des Körpers:

Unser Körper besteht aus einem Netzwerk von Faszien, worin man einige lange Muskel-Faszien-Ketten erkennen kann. Diese haben für die Koordination und geschmeidige Bewegungen eine große Bedeutung. Die Faszienzugbahnen verlaufen jeweils über die Länge des Körpers

  • oberflächliche Rückenlinie
  • oberflächliche Frontallinie
  • zwei Laterallinien
  • die Spirallinie

4 Grundfunktionen der Faszien:

  • Formen: geben Struktur, halten, stützen, schützen und polstern
  • Bewegen: Übertragung und Speichern von Kraft, Halten von Spannung, dehnen
  • Versorgen: sind am Stoffwechsel beteiligt, Transport von Flüssigkeit und Nahrung
  • Kommunizieren: Empfangen und Weiterleiten von Reizen und Informationen

Trainierte Faszien bringen im Sport, aber auch im Alltag viele Vorteile:

  • Muskeln arbeiten effizienter
  • Regenerationszeit verkürzt sich
  • Leistungsfähigkeit steigt
  • Koordination und Bewegungsabläufe verbessern sich
  • Bewegung werden geschmeidiger
  • Körperhaltung und -form werden straffer

Wir hoffen, dass wir Euch einen kleinen Überblick zum Thema Faszien geben konnten.

Nächste Woche kommt ein Beitrag zum Faszientraining, was dieses bringt, wie es ausschaut und wie man es in das übliche Training einbauen kann.


 

Alle Informationen haben wir aus folgenden Büchern bezogen:

Robert Schleip, Johanna Bayer. 2014. Faszien Fitness. München: riva Verlag.
Thomas Myers. 2015. Anatomy Trains. München: Urban/Fischer Verlag & Elsevier GmbH.

Diese Bücher würden wir Interessierten sehr ans Herz legen!

 

 

 

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