Pause vom Schweinehund Überwinden

„Komm Kathi, reiß dich jetzt zam und beiß durch!“

Diesen Satz habe ich mir die letzten Monate immer und immer wieder vorgesagt. Seit Ende letzten Jahres hatte mein innerer Schweinehund keine Pause. Zunächst war es das Lernen und die Uni, die an meinen mentalen Reserven gezerrt haben. Ich hatte ein paar letzte Prüfungen zu absolvieren und meine Bachelorarbeit stand noch aus. Mein Ziel war es, alles in dem Semester fertig zu bringen und so hängte ich mich zu 100 % rein, verzichtete auf alles mögliche drum herum, um rechtzeitig fertig zu werden. Auch der Sport stand in dieser Zeit im Hintergrund. Zunächst lernte ich nur, um die drei größten Prüfungen innerhalb einer Woche zu schreiben und zu schaffen und anschließend schrieb ich von morgens bis abends an meiner Bachelorarbeit mit kurzen Essens- und Trainingspausen.

Als ich das alles hinter mich gebracht habe, stand endlich wieder der Sport im Mittelpunkt, konkret Schwimmen natürlich. Ich wollte 100 % geben, um mal endlich zu sehen, was bei mir noch so möglich ist. Also widmete ich all meine Energie und Zeit dem Schwimmen. Zu Ostern war ich mit meinem Verein im Trainingslager und ab dieser Zeit steigerte ich meinen Trainingsumfang enorm. Von 1-2 Trainingseinheiten pro Tag wurden es schnell 2-3 (mit Krafttraining). Es machte mir wahnsinnig viel Spaß an meine Grenzen zu gehen und mich von Tag zu Tag neu der Herausforderung zu stellen das harte Training durchzustehen. Es lief jeden Tag in etwa gleich ab: der Wecker klingelte um 5:30 Uhr, ich fuhr ins Training, sprang um 7 Uhr ins Wasser und kam um kurz vor 9 wieder heraus. Ich holte mir auf dem Weg einen Kaffee, um wach zu bleiben und fuhr in die Arbeit (ich bin Studienassistentin auf der Uni). Anschließend ein schnelles Mittagessen und die zweite Einheit stand an: entweder wieder Schwimmen oder Krafttraining. Und so ging das fast täglich. Ich verzichtete auf sehr, sehr vieles, um fast jeden Morgen ins Frühtraining gehen zu können und überhaupt den Tag zu überstehen ohne auf dem Weg irgendwo einzuschlafen. Natürlich gab es auch Tage, an denen ich weniger motiviert war und liebend gerne Zuhause geblieben wäre. Aber ich habe immer wieder meinen inneren Schweinehund besiegt und habe mich aufgerafft. Aber auch das ist natürlich auf Dauer richtig anstrengend. Keine Sorge, das ist jetzt kein Jammer-Blogpost – mir hat es wirklich viel Spaß gemacht!

Ich habe mir bestimmte Ziele gesetzt, die ich unbedingt erreichen wollte. Dabei geht es nicht, wie viele immer glauben, um Platzierungen o.ä., sondern schlicht und ergreifend um persönliche Bestleistungen – also neue Bestzeiten zu schwimmen. Mein einziger Gegner bin ich. Es gab immer ein Ziel worauf ich hin gearbeitet habe, sei es der Studienabschluss oder eben die österreichischen Staatsmeisterschaften im Schwimmen. „Bis zu diesem Tag beiß ich durch und dann mache ich eine Pause“. Leider war der Schwimmwettkampf so dermaßen enttäuschend und ich bin so schlecht geschwommen wie seit Ewigkeiten nicht mehr. Das habe ich bis jetzt noch nicht so kommuniziert, weil ich mir erstmal selber klar werden wollte, was da eigentlich passiert ist. Das Schlimme ist, dass ich mir nichts vorwerfen kann. Ich habe hart trainiert und war in jedem Training, jeden Tag und jede Woche top motiviert mein Bestes zu geben. Von sich selbst enttäuscht zu sein ist glaube ich mit das schlimmste Gefühl.

Das Ganze mache ich persönlich ja nur zum Spaß. Prinzipiell würde ich schon sagen, dass ich Leistungssportlerin bin, weil ich deswegen trainiere, um Leistung zu bringen. Aber dennoch ist das alles ja auf Hobbyniveau und eben nur zum Spaß. Wenn ich mir jetzt vorstelle, was für einen Druck „echte“, also professionelle Leistungssportler haben, dann ziehe ich umso mehr meinen Hut. In meiner Situation ist es eben nur meine eigene Enttäuschung (und eventuell noch die vom Trainer), die mich ärgert und mit der ich umgehen muss. Stehen aber Sponsorenverträge, Kaderplätze oder ähnliches auf dem Spiel, dann schaut das Ganze schon anders aus. Wie gesagt, Respekt!

Nach dem miserablen Wettkampf habe ich eine Pause vom Sport gebraucht. Viel mehr hat mein Kopf diese Pause gebraucht, als mein Körper. Wie schon ausführlich erläutert: ich stand durchgehend unter Strom und habe mich ständig aufs Neue herausgefordert, um mein Bestes zu geben. Wenn das über knapp ein Jahr geht, dann ist irgendwann die Luft raus. Normalerweise fällt es mir nicht so schwer mich durch anstrengende Trainings zu beißen, aber aktuell ist es richtig schwierig. Allein sich zu motivieren etwas sportliches zu tun ist schon problematisch aktuell. Zum Beispiel, war ich vor kurzem Mountainbike fahren und mir ist immer wieder klar geworden, dass ich „normalerweise“ mich ganz locker durch die anstrengenden Passagen gequält hätte, aber diesmal hatte ich einfach keine Lust. Bevor ich mich ewig abgestrampelt hätte, bin ich lieber absteigen und habe eine kurze Pause gemacht. Ich war von mir selber verwundert, weil das bei mir fast ein Ding der Unmöglichkeit ist. Es war einfach hart. Für meinen Körper und vor allem für meinen Kopf. Aber ein kleiner Funken des „Schweinehund Überwindens“ ist ja wohl doch noch vorhanden, denn ich habe mich an mein Ziel gekämpft.

Daher kann ich jetzt umso mehr jeden verstehen, der entweder nach einer Sportpause wieder neu anfängt oder generell anfängt Sport zu treiben: der Anfang ist echt hart. 😀 Nicht aufgeben, es kann nur besser werden! 😉

Die nächsten Tage und Wochen werde ich es auf jeden Fall noch ruhig angehen und mich nicht zu allem zwingen, bevor es dann (hoffentlich) mit aufgetankten Energiereserven in die neue Saison geht. 🙂

Eure Kathi

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